Wenn die Website dem Auftraggeber gefallen soll und nicht dem Kunden
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Auf Profis hören und nicht auf den Bauch

Manche Unternehmerinnen und Unternehmer betrachten Ihre Firmen-Website als einen Platz, wo sie sich selbst verwirklichen können. Getreu dem Motto „was mir gefällt, muss auch meiner Kundschaft gefallen!“

Mit dieser Einstellung werden nicht selten Websites veröffentlicht, die zum Gewinnen neuer Kunden kaum was taugen. In so einem Fall hat der Auftraggeber sich nicht mit dem Bedarf seiner Kunden auseinander gesetzt. Entscheidungen über die Gestaltung und Inhalte werden „aus dem Bauch“ gefällt.

Was für eine Geldverschwendung! Da rede ich mir als Online-Marketing-Manager den Mund über SEO und Strategie fusselig und nach wie vor glauben manche Auftraggeber, sie könnten das alles ignorieren.

Die Probleme des Mitredens der Auftraggeber gelten nicht nur in Bezug auf das Design. Auch bei der Navigation und der textlichen Gestaltung entscheiden Kunden (leider) zu sehr mit.

Jetzt könnte ich ja als Agenturchef sagen, dass der Kunde König ist und ich als Auftragnehmer gefälligst das umzusetzen habe, was mein Auftraggeber will. Doch das ist für mich kein sinnvolles Geschäft. Wenn mein Kunde im Laufe der Zeit merkt, er hat mit „seiner Website“ keinen Erfolg hat – sprich keine Anfragen, keine Wahrnehmung in Google – werde ich von meinem Kunden dafür verantwortlich gemacht. Doch soweit will ich es gar nicht erst kommen lassen.

Foto: pixabay
Einer der uneinsichtigsten Kunden, die ich je bedient habe, ist die Firma Kalb. Die Zusammenarbeit wurde nach Livegang der Website meinerseits beendet

Bei Projekten, wo sich anbahnt, dass meine Auftraggeber zu sehr ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen wollen, lehne ich jegliche Verantwortung für den Erfolg von vornherein ab. Ich habe auch schon Aufträge ganz abgelehnt, weil ich mich nicht als Website-Bauer sehe, sondern als Vermarkter.

Wer mich beauftragt, will seine Website als Vertriebs- oder Anfragekanal nutzen. Da spielen eigene Präferenzen eine untergeordnete Rolle. Natürlich lässt sich ein Kompromiss finden und viele meiner Auftraggeber sind auch einsichtig.

Doch welche Auftraggeber sind das, die Ihren Willen unbedingt durchgesetzt haben wollen? Meist sind es Unternehmer, die sich bisher kaum mit ihrer Präsenz im Internet auseinander gesetzt haben. Sie kennen nicht ihren Markt. Sie wissen nicht nach was potentielle Kunden in Google suchen und welche Bedarfe sie haben.

Darüber hinaus haben sie keinen Plan, was sie mit ihrer Website erreichen wollen. Es geht nur darum sich im Web zu präsentieren. Zwar besteht Interesse an neuen Kundenkontakten, doch wie diese zustande kommen, ist zweitrangig.

Die schwierigsten Fälle sind Handwerksbetriebe. Sie haben nicht selten überhaupt ein Problem mit Dienstleistern. So ein Internetzeugs ist für sie nur schwer „greifbar“. Das Schwierigkeit liegt darin, sie zunächst davon zu überzeugen, nicht einfach mit einer Website loszulegen. Wenn schon kein Workshop möglich ist, um Zielgruppe, Positionierung, das Produktportfolio und die Alleinstellungsmerkmale zu erfassen, sollte wenigstens eine Keywordanalyse erstellt werden.

An dem Punkt kommt für mich die Entscheidung, ob ich das Projekt übernehme oder ob ich die Finger davon lasse. Wird die Keywordrecherche abgelehnt, weil der Auftraggeber glaubt, dass seine Kunden nicht in Google suchen (hat tatsächlich ein Firmenchef mir mal erzählen wollen), bin ich raus.

Tipps für uneinsichtige Chefs

  • Wenn Sie eine Website realisiert haben wollen, suchen Sie sich eine Agentur, die nichts anderes macht und nur das umsetzt, was Sie wollen.
  • Hören Sie nicht auf die Agentur, wenn Sie Ihnen Hilfestellungen bietet und auch mal anderer Meinung ist.
  • Ignorieren Sie bei der Realisierung der Inhalte die Wünsche Ihrer Kunden. Nur Sie werden wissen am besten, was Ihre Kunden wollen.
  • Nutzen Sie keine eigenen Fotos für Ihre Produkte. Und stellen Sie nicht Ihr Team vor. Es könnte ja ein anderer Betrieb Ihre Mitarbeiter abwerben.
  • Zeigen Sie keine Referenzen und Beispiele auf Ihrer Website. Das interessiert Ihr Kunden nicht.
  • Fassen Sie sich kurz. Texte liest heutzutage eh niemand mehr.
  • Lassen Sie auch den ganzen SocialMedia-Kram. Es bringt ja doch nichts.